Der letzte Rest vom alten Ostkreuz

Die Nordkurve und der Bahndamm an der Sonntagstraße kommen weg.

Der Bahnhof Ostkreuz verändert sich rasant – so wie auch der Kiez ringsherum. Von der alten Station mit ihren Säulen und Bögen ist im Zuge des Umbaus zu Ostdeutschlands größtem Regionalbahnhof nichts geblieben. Auch die alte Fußgängerbrücke über die Gleisanlagen ist weg. Nun verschwindet ein weiterer bedeutender Teil des alten Ensembles. Bis zum Sommer wird die schon in den 90er-Jahren stillgelegte Nordkurve mitsamt dem Bahndamm und der Brücke über die Sonntagstraße abgetragen.

Eingang verlegt

Zuvor wird der Zugang Sonntagstraße provisorisch um rund 50 Meter nach Westen verlegt. Danach wird die alte Brücke und somit das letzte historische Element des Bahnhofs Ostkreuz ausgehoben. Anschließend wird der Bahndamm bis direkt an das Hostel in der Neuen Bahnhofsstraße abgetragen. Dann besteht Baufreiheit, um ab Sommer den Block 5 der Vorleistung für die Autobahn 100 zu erbringen. „Das ist notwendig, um mit dem Bau der Straßenbahn in der Sonntagstraße beginnen zu können, ohne später bei einem Weiterbau der A100 den Straßenbahnverkehr über Monate unterbrechen zu müssen“, teilt die Deutsche Bahn mit. Die  Arbeiten an der Nordkurve sind Teil des Gesamtvorhabens Bahnhof Ostkreuz mit Kosten von und 411 Millionen Euro. „Bis zum Juni kommt die  Nordkurve weg“, sagt Bahn-Sprecher Michael Baufeld zum Zeitplan. Seit Februar wird der Abbruch vorbereitet. Am Bahndamm wurden zunächst Leitungen und Kabel entfernt. Künftig endet er hinter dem Beamtenwohnhaus. Dieses ist denkmalgeschützt und bleibt erhalten. „Einige Immobilien-Investoren haben schon Interesse bekundet“, sagt Baufeld. „Dort wird aber erst im Zuge der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes etwas passieren.“ Darüber hinaus wird derzeit der Wiederaufbau der Fußgängerbrücke des Reichsbahn-Architekten Richard Brademann am westlichen Ende der Ostkreuz-Bahnsteige nach den historischen Plänen vorbereitet.  Mit einem Jahr Verspätung, verursacht durch Baumängel, war das Ostkreuz im Dezember als Regionalbahnhof ans Netz gegangen. Dort halten nun auch die Züge der RB 24 (Eberswalde–Senftenberg). Die Linien RB 12 aus Templin und der RB 25 aus Werneuchen, die bisher in Lichtenberg endeten, wurden bis Ostkreuz verlängert. Ende kommenden Jahres soll es an der Strecke nach Frankfurt (Oder) einen weiteren Bahnsteig für den Regionalverkehr geben, allerdings wohl ohne das vorgesehene Dach. Dem Eisenbahn-Bundesamt ist es zu teuer – und der Senat will nicht einspringen. Zudem ist ein weiterer Bahnsteig für Züge der RB 26 aus Küstrin vorgesehen. Ab dem Jahr  2019 soll dort auch die Straßenbahn halten. Darüber hinaus gibt es vage Pläne, die U-Bahn-Linie 1 von der Warschauer Straße bis zum Ostkreuz zu verlängern.

Text und Bild: Nils Michaelis