Tierisch gute Rasenmäher

Wasserbüffel: Am Tegeler Fließ sind die zotteligen Rasenmäher wieder im Einsatz.

Es rappelt und scharrt im Viehtransporter. Neugierig, aber auch vorsichtig umrundet eine aufgeregt plappernde Kita-Gruppe das geschlossene Gefährt. Zahlreiche Anwohner und Gäste gesellen sich erwartungsvoll dazu. Gleich ist Mittag an der Hermsdorfer Mühlenfeldstraße 45 vor den Wiesen des Tegeler Fließ‘. Endlich öffnen Reinickendorfs Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU) und Stallbesitzer Helmut Querhammer die Rampe. Und da trotten sie gemächlich heraus: Sechs Wasserbüffel, einjährige, schon gut behörnte Jungbullen, mit knapp 400 Kilogramm noch ausgesprochene Leichtgewichte ihrer Art. Sofort beginnen die gutmütigen Wiederkäuer mit dem, was sie am besten können – Gras fressen! Dank ihrer unentwegten Fresslust wird sich ihr Gewicht bis zum Saisonende im Herbst verdoppeln.

Beliebte Nachbarn

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Der Auftrieb der Wasserbüffel war erneut eine Attraktion

Versonnen blickt Frank Balzer auf die Tiere: „Ein tolles Projekt, das Jung und Alt anlockt. Ich freue mich, dass wir es nach dem Erfolg im Vorjahr fortsetzen können. Ökologisch sinnvoll für Umwelt und Natur, eine Attraktion für die Menschen.“ Umweltstadtrat Martin Lambert (CDU) ergänzt: „Zudem rechnet es sich. Wir müssen die feuchten Wiesen nicht kostenaufwändig mit spezieller Technik mähen, die dennoch Gefahr liefe, im Boden zu versinken und das geschützte Biotop nachhaltig schädigen würde.“ Die genügsamen Büffel bewältigen dies auf den rund 35 Hektar großen Flächen nördlich und südlich der Egidybrücke viel schonender und viel besser als jeder Rasenmäher. Dabei sind sie nicht wählerisch und fressen alles, was ihnen an Unkraut, Schilf und Ästen vor die Mäuler kommt. Artenvielfalt und Lebensräume bleiben erhalten. Zweifelsohne der bessere Weg, das mit der höchsten Einstufung der Europäischen Union bedachte Flora-Fauna-Habitat zu pflegen.

Eine Erfolgsstory: Knapp 120.000 Euro aus dem EU-Agrarfonds, aus Landes- und Bezirksmitteln wurden eingesetzt, um das Gelände einzuzäunen, Tränken und Warnschilder aufzustellen, bevor im Mai 2015 die erste Herde anrückte. Anfangs waren nicht alle Anwohner entzückt, befürchteten Komplikationen mit den neuen Nachbarn, kritisierten die Einzäunung. Längst haben sich die Wogen geglättet. Immer mehr Hermsdorfer lieben ihre nützlichen Nachbarn. Eine Tafel an der Mühlenfeldstraße informiert ausführlich; Schüler des Tegeler Gabriele-von-Bülow-Gymnasiums beschäftigen sich in mehreren Leistungskursen mit dem Projekt und machen es im Internet publik.

Viel zu tun

Inzwischen haben die Büffel die nahrhaften Weidegründe in Fließ-Nähe entdeckt. Bis Oktober ist dies ihr neues Zuhause. Dann geht’s ins Winterquartier zurück auf die trockenen Wiesen des Öko-Hofs „Döberitzer Heide Galloways“ in Potsdam/Fahrland. Eigentlich betreibt Helmut Querhammer hier seit 25 Jahren mit fast 100 Tieren das Geschäft der blonden Rinder. Vor sechs Jahren dann gesellten sich die Wasserbüffel dazu – derzeit sind es rund 50. „Es gibt viel zu tun für sie – in Spandau, Rudow, auf der Pfaueninsel bewähren sie sich bereits bestens“, sagt er und freut sich, dass nun auch Reinickendorf zum zweiten Mal dabei ist.

Weitere Informationen: http://gvb.wasserbueffel.square7.de/

Text & Bilder: Jürgen Zweigert