Leben und lieben lassen

Kultur: Eine Ausstellung zeigt Schülerprojekte zu sexueller Vielfalt.

Normalerweise wird „DJ Ipek“ von Kulturjournalisten interviewt, doch kürzlich waren es Schüler des Robert-Blum-Gymnasiums, die der Musikproduzentin und Autorin die Fragen stellten. Unter dem Titel „Queer leben“ hatte die Klasse 9a zum Workshop über den Alltag Homosexueller geladen – und Ipek Ipekçioglu, so der bürgerliche Name der 43-Jährigen, berichtete gemeinsam mit anderen schwulen und lesbischen Menschen von ihren Erfahrungen. Zum Beispiel, wie ihr türkischer Großvater ihr beim Outing mit der lockeren Frage half, wofür sie als Studentin ein Auto brauche. „Schleppst du damit Jungs oder Mädchen ab?“, wollte der Familienpatriarch wissen.

Große Neugier

Gleich mehrere Workshops rund um das Spektrum „Sexuelle Vielfalt“ fanden in den letzten Monaten in Schöneberg statt: An drei Oberschulen und drei Grundschulen setzten sich Kinder und Jugendliche dabei mit Themen wie Geschlechterrollen, Transsexualität oder Schönebergs Status als „Schwulenkiez“ auseinander. Unter dem Titel „All included“ werden die Ergebnisse nun in einer Ausstellung im Jugendmuseum in der Hauptstraße 40/42 gezeigt (samstags bis donnerstags von 14 bis 18 Uhr und freitags von 9 bis 14 Uhr). Viele Schüler hatten sich vorher noch nie mit dem Thema befasst, andere standen homosexuellen Menschen fast feindselig gegenüber. „Doch die Neugier war bei allen groß“, sagt Ellen Roters vom Pädagogischen Leitungsteam des Jugendmuseums. Man habe sich dem Thema schrittweise genähert. Mit einer mobilen Ausstellung wurden den Kindern und Jugendlichen die zahlreichen Aspekte sexueller Vielfalt vorgestellt – besonders interessante Themen suchten sich die beteiligten Klassen dann selbst aus.

Eine sechste Klasse beschäftigte sich zum Beispiel intensiv mit historischen und zeitgenössischen Biographien transsexueller Menschen. Eine andere machte eine Forschungsreise im schwulen Szenekiez in der Motzstraße und unterhielt sich mit dem Queer-Beauftragten des Bezirks ebenso wie mit einem langjährigen Wirt eines Schwulen-Cafés, der die strafrechtliche Verfolgung Homosexueller noch miterlebte. Doch auch wenn in vielen Projekten immer wieder historische Bezüge auftauchen – das Thema sexuelle Vielfalt ist hochaktuell. So gaben jüngst mehr als 85 Prozent der Befragten in einer Studie des „Deutschen Jugendinstituts“ an, aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Geschlechtsidentität Diskriminierung erlebt zu haben. Auch deshalb richtet sich die Ausstellung im Jugendmuseum nicht nur an die durch den Namen angedeutete Zielgruppe. „Es gibt ein umfangreiches Rahmenprogramm, auch für Erwachsene“, sagt Ellen Roters.

Philip Aubreville / Bild: Jugend Museum