Mieter wollen ihr Wohnhaus kaufen

Immobilien: In der Friedelstraße geht die Angst um: Nach der Sanierung des Hauses in der Nr. 54 sollen die Mieten um 70 Prozent steigen.

Der Ärger begann Ende 2013: Zu diesem Zeitpunkt übernahm die Citec Immo Invest GmbH das Mietshaus in der Friedelstraße 54 und seitdem leben die Menschen hier in Angst um ihre Wohnungen. „Deren Strategie ist es, sich ein Portfolio an Mietshäusern zusammenzukaufen, sie durch Sanierung aufzuwerten und dann nach einigen Jahren mit großem Gewinn wieder abzustoßen“, sagt Matthias Sander aus der „Friedel 54“, einem Kiezladen im Haus, der bereits seine Kündigung erhalten hat.

Aber die Mieter wollen um ihr Zuhause kämpfen. Gleich nach der Übernahme der Immobilie begann der neue Eigentümer mit seiner Einschüchterungstaktik: Abmahnungen für einige Mieter, dann die ersten kleineren Modernisierungsankündigungen. Im Oktober vor zwei Jahren schließlich die Ankündigung für die Großmaßnahme: Komplette Wärmedämmung und ein Müllhäuschen im Hof. Die Mieten sollten danach zwischen 40 und 70 Prozent steigen. Viele Mieter aus dem Haus sind rechtzeitig in eine Mietergemeinschaft mit Rechtsschutz eingetreten. Als die große Renovierungsankündigung kam, konnten sich die Mieter geschlossen zur Wehr setzen und haben gegen ihren Vermieter, die Citec, Klage eingereicht.

Plötzlich gekündigt

„Wir vom Kiezladen haben die Maßnahmen von Anfang an geduldet, auch im Hinblick auf unseren Gewerbemietvertrag, der jederzeit von beiden Seiten kündbar ist. Zähneknirschend akzeptierten wir alles, auch 70 Prozent Mieterhöhung. Deshalb kam die Kündigung, im letzten Oktober dann doch völlig überraschend für uns“, sagt Matthias Sander. Das Schreiben wurde ganz offiziell durch einen Gerichtsvollzieher zugestellt, mit Stempeln in fünffacher Ausfertigung.

Gemeinsam mit der Hausgemeinschaft wurde vor einigen Wochen ein Hausverein gegründet. Der möchte in Zusammenarbeit mit dem Mietshäuser Syndikat das Haus in der Friedelstraße von der Citec GmbH kaufen und dann selbst verwalten. Das Konzept des Syndikats ist die Beteiligung an Projekten, damit sie dauerhaft dem Immobilienmarkt entzogen werden und dadurch nicht weiterverkauft werden können. Die Schulden an der Immobilie werden über die Mieten getilgt und eine gewisse Summe fließt in einen gemeinschaftlich verwalteten Solidarfonds, der 2015 eine Summe von 220.000 Euro umfasste. Insgesamt ist das Mietshäuser Syndikat bereits an 105 Wohnprojekten mit 2.400 Bewohnern beteiligt.

Runder Tisch

Jochen Biedermann von der Neuköllner Grünen-Fraktion findet, der Bezirk sollte sich einmischen: „Es gibt widersprüchliche Signale aus dem Bezirksamt. Ich fände einen runden Tisch unter der Leitung der Bezirksbürgermeisterin gut.“ Geöffnet ist der Kiezladen „Friedel 54“ Dienstag und Mittwoch ab 20 Uhr. Es wird gekocht und es gibt ein kulturelles Programm mit Filmen, Vorträgen, Diskussionsveranstaltungen und Workshops.

Tet & Bild: Anne-Lydia Mühle