Rote Karte für die Fußballkneipe

Sport-Ort: Vermieter kündigt dem Fan-Treffpunkt Wilde 13 / Betreiber legt eine Pause ein.

ln der Bundesliga kämpft Werder Bremen gegen den Abstieg, nur Relegationsplatz 16. Und jetzt müssen auch noch die Berliner Anhänger der Kicker von der Weser ihre grün-weißen Fahnen einrollen. Die Werder­ Fan-Kneipe ,,Wilde 13“ in Friedrichshain, benannt nach der Piratenbande aus Michael Endes Jim-Knopf-Büchern, bekam jetzt die Rote Karte, muss zum 30. April schließen.

Elf Jahre lang war die Kneipe in der Gabriel-Max-Straße 13 Treffpunkt für die Berliner Werder-Gemeinde. Nun verliert sie ihr Wohnzimmer, der Mietvertrag wird nicht verlängert, da die neue Besitzerin keine Kneipe in ihrem Haus haben möchte. Die bisherige Hausbesitzerin ist gestorben und ihre Tochter als Erbin hat wohl andere Pläne.

Jedes Bundesligaspiel wurde in der „Wilden 13“ übertragen. Auch die Spiele der zweiten Liga und natürlich die Champions- und Europa League flimmerten dort über zwei Bildschirme und eine Großbildleinwand. Aber nicht nur die Fußball-Fans hatten hier einen Tribünenplatz, jeden Sonntag war auch Public-Viewing für „Tatort“ oder „Polizeiruf‘. Mit dieser beliebten TV-Kneipe stirbt wieder ein Stück Friedrichshainer Kiezkultur.

Wirt Tommy Böcker (57) fällt der Abpfiff besonders schwer. Elf Jahre lang jubelte er mit seinen Gästen über Bremer Tore, litt mit ihnen bei Niederlagen. Die grünen Werder-Trikots trugen alle stolz wie eine Uniform. ln der Wilden 13 schlug das Herz grün-weiß, aus dem Zapfhahn sprudelte das Bier einer Bremer Großbrauerei, nach jedem Tor gab es eine Runde „Mövenschiss“, eine Bremer Spezialität aus Pfefferminzlikör mit einem Schuss Eierlikör oben drauf. Vor dem Anpfiff schmetterten alle die Vereinshymne mit. Und den AC/DC-Hit „Highway to hell“, der Schlachtruf, der früher die Bremer bei ihren Heimspielen im Weserstadion nach vorne peitschte, gleich hinterher.

Anderer Kiez

Für den Präsidenten des Werder-Fanclubs, Nick Willer, ist das Aus der „Wilden 13“ eine Folge der Gentrifizierung. „Man muss sich doch nur umschauen, wie sich die Gegend hier verändert“, sagt er und zeigt auf ein eingerüstetes Gebäude gegenüber der Kneipe. Alles werde aufgehübscht und die neuen Bewohner wollen lieber einen Yoga- oder Häkelladen in ihrer Nachbarschaft als eine Fußballkneipe. Jetzt sucht Willer ein neues Zuhause für die 150 Mitglieder des Fanclubs. Das „Panenka“ in Friedrichshain und „Tante Käthe“ im Wedding sind im Gespräch. Am 30. April wird es ab 22 Uhr auf jeden Fall eine fette Abschiedsparty geben. Tommy Böcker will danach erst einmal abschalten. Eine neue Kneipe plane er nicht.

Text & Bild: Anne-Lydia Mühle