Große Unterschiede in sozialer Lage

Interview: Stadtrat Uwe Brockhausen möchte ein attraktives Reinickendorf in allen Kiezen.

CR_LVS_RE_15_Brockhausen-1

Uwe Brockhausen (SPD)

Wirtschaftsstadtrat Uwe Brockhausen (SPD) lenkt seit dem Tod von Andreas Höhne im Oktober 2015 auch das Ressort Jugend, Familie und Soziales. Damit verwaltet er den dicksten Brocken im Haushalt – nämlich mit fast 413 Millionen Euro mehr als zwei Drittel des Geldes, das der Bezirk insgesamt ausgibt. Klingt nach viel, muss aber sinnvoll für Wohl und Wehe der gut 255.000 Reinickendorfer eingesetzt werden. Wir fragten im Gespräch mit Uwe Brockhausen genauer nach.

„Reinickendorf – in Berlin ganz oben“, heißt es geografisch. Gilt das auch sozial?

Brockhausen: Es gibt große Unterschiede in der sozialen Lage und der Entwicklungsdynamik. Ortsteile wie Frohnau oder Hermsdorf sind nicht vergleichbar mit dem Kiez um die Auguste-Viktoria-Allee oder der Rollbergsiedlung. Der sehr niedrige Status einzelner Wohnlagen sowie die Arbeit für eine bessere Entwicklung vor Ort sind für uns klare Handlungsschwerpunkte. Hier leben viele Menschen, die umfangreiche Hilfen in verschiedensten Lebensbereichen und sozialen Notlagen benötigen. Reinickendorf ist ein toller Bezirk – und das soll er in allen Kiezen sein!

Wie erfolgreich geschieht das?

Brockhausen: Das sind Prozesse, die einen langen Atem brauchen. Wir unterstützen und fördern mit vielen und ganz unterschiedlichen Angeboten und Projekten. Insbesondere in sozial benachteiligten Räumen ist die Arbeit von Familienzentren sowie von Kooperationsprojekten ganz wichtig. Beispielhaft erfolgreich wirkt bereits das Quartiersmanagement um den Letteplatz. Ich bin überzeugt, dass auch das neue Quartiersmanagement im Bereich der Auguste-Viktoria-Allee für eine bessere Entwicklung sorgen wird. Besonders freue ich mich darüber, dass wir auch mit dem neuen Haushalt keine Einrichtung schließen mussten und damit die erfolgreiche Arbeit fortsetzen können. Wir brauchen aber auch starke und engagierte Partner vor Ort.

Wo wird das sichtbar im Bezirk?

Brockhausen: Nehmen wir das Märkische Viertel – ursprünglich ein Problemkiez, nun eine richtige Erfolgsstory. Mehr als 13.000 Wohnungen sind komplett saniert; das „MV“ ist jetzt die größte Niedrigenergiesiedlung Deutschlands. Wohnungen und Wohnumfeld sind nun attraktiver – mehr als eine halbe Milliarde Euro wurden investiert. Die GESOBAU engagiert sich aktiv für eine gute Zukunft der Großsiedlung. Das zeigt, dass starke Partner vor Ort unentbehrlich sind. Natürlich sind wir mit vielen Angeboten und Projekten im Märkischen Viertel und arbeiten an einer guten Entwicklung. Wir legen unsere Hände hier nicht in den Schoß – ganz im Gegenteil.

Ein hoffnungsvoller Leuchtturm, der auf andere ausstrahlt?

Brockhausen: Ein Leuchtturm auf jeden Fall. Der Erfolg fällt allerdings nicht vom Himmel, sondern muss hart erarbeitet werden. Es ist wichtig, sich jeden Ortsbereich ganz genau anzusehen. Handlungsbedarfe und Lösungen im Märkischen Viertel können nicht einfach auf andere Kieze – wie etwa um die Reginhardstraße, die Auguste-Viktoria- Allee und Klixstraße – übertragen werden. Ich bin zuversichtlich, dass das neue Quartiersmanagement an der Auguste-Viktoria-Allee aktiv helfen wird, die dort bestehenden Probleme individuell und engagiert zu bewältigen. Hier muss noch viel auf den Weg gebracht werden.

Was ist Ihnen besonders wichtig?

Brockhausen: Bildung! Sie ist d e r Schlüssel für Teilhabe und zur Vermeidung von Armutsrisiken. Weil Bildung früh beginnen muss, fördert das Jugendamt vielfältig die Bildungsbereitschaft und –fähigkeit von Kindern und deren Eltern. Junge Menschen brauchen Perspektiven und Unterstützung, sie sind unsere Zukunft. Jugendliche, denen der Einstieg ins Berufsleben nicht gelingt, können und sollten umfangreiche berufsorientierende Beratung und Angebote nutzen. Mit einer „Jugendberufsagentur“ werden auch in Reinickendorf künftig an einem Ort und aus einer Hand passgenauere und vernetzte Angebote der beruflichen Bildung und Förderung unterbreitet. Keine Frage – wir müssen noch eine Menge anpacken.

Text & Bild: Jürgen Zweigert