Tummelplatz der Diebe und Dealer

Mehr als 76.000 Menschen in Berlin Opfer von Kriminellen.

Es passierte früh morgens um 5.30 Uhr in der Danziger Straße. Ein 21-Jähriger wird von einem unbekannten Mann angesprochen und um Hilfe gebeten. Während des Gesprächs kommen fünf weitere Männer hinzu und umringen ihn. Einer davon bedroht den jungen Mann plötzlich mit einem Messer, während andere seine Kleidung durchsuchen und ihm schließlich Geldbörse und Handy rauben. Das Opfer erleidet bei der Auseinandersetzung eine Schnittverletzung am Arm. Szenen wie diese beunruhigen zunehmend die Pankower und beeinträchtigen ihr Sicherheitsgefühl. Unter den 23 Orten, die in Berlin als besonders gefährlich gelten, ist zwar kein einziger in Pankow, doch Touristenmagnete wie Mauerpark, Kulturbrauerei und der besondere Flair des Prenzlauer Bergs locken eben auch Kriminelle an.

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Polizeieinsatz im U-Bahnhof Alexanderplatz

Traurige Berühmtheit erlangte der Alexanderplatz in Mitte als Ort von Gewaltverbrechen. An den Wochenenden wurde dauerhaft ein „Kontaktmobil“ stationiert. Zwar habe die Zahl der Körperverletzungen tatsächlich abgenommen, dafür haben sich hier jetzt Trickbetrüger und Taschendiebe breit gemacht, die es vor allem auf die vielen Berlin-Gäste absehen, die sich hier tummeln. Gleiches gilt verstärkt auch für den Hackeschen Markt oder die Oranienburger Straße. Die ist einer der bekanntesten Straßenstriche Berlins und damit Magnet für alle kriminellen Randerscheinungen, die das Rotlichtmillieu so mit sich bringt.

Die Zahlen sprechen für sich: Laut „Polizeilicher Kriminalitätsstatistik Berlin 2015“ wurden im vergangenen Jahr mehr als 76.000 Menschen Opfer von Delikten wie sexueller Missbrauch, Körperverletzung, Straßenraub und Bedrohung. Auf den ersten Blick hat diese Zahl durchaus etwas Positives, denn es gab ein Prozent weniger Opfer als im Vorjahr. Das ist zugleich der tiefste Stand im Zehnjahresvergleich. Bei genauerem Hinsehen allerdings wird schnell klar, dass bestimmte andere Delikte einen erschreckenden Zuwachs erfahren haben, was sich eben auch auf Berlins Straßen auswirkt.

Beispiel Diebstahl

Die im Berichtsjahr registrierten 267.123 Fälle sind der höchste Wert im Zehnjahresvergleich. Das Diebstahlphänomen mit den höchsten absoluten Fallzahlen ist der Taschendiebstahl (40.399 Fälle, +25,8 Prozent) gefolgt vom Ladendiebstahl (37.713 Fälle, +14 Prozent). Der absolut höchste Zuwachs ist beim Kellerdiebstahl zu verzeichnen. Die 5.099 Fälle bedeuten eine Zunahme von 34,6 Prozent. Dass in Pankow seit Jahren berlinweit die meisten Fahrräder geklaut werden, sei dabei nicht vergessen.

Beispiel Rauschgiftdelikte

Hier verzeichnet die Berliner Polizei mit insgesamt 15.753 Fällen eine Zunahme um 17 Prozent und damit den höchsten Wert im Zehnjahresvergleich. Diese Art von Delikten sind sogenannte Kontrolldelikte. Das heißt die Anzahl der festgestellten Verstöße ist zu einem erheblichen Teil von der Kontrolltätigkeit der Polizei abhängig. Die Zunahme der Fälle resultiert also auch an der verstärkten Kontrolltätigkeit auf einschlägigen Drogentreffpunkten wie den Görlitzer Park, das Areal rund um das RAW-Gelände sowie den U-Bahnlinien U8 und U9, die von Drogendealern besonders gern genutzt werden, um ihre illegale Ware abzusetzen.

mw/mh / Bilder: imago/Olad Wagner / Bild: imago/stock&people