Dem Rumpelbasar droht das Aus

Soziales: Vermieter kündigte den Vertrag mit dem Zehlendorfer Sozialkaufhaus.

Eigentlich dürfte die Betreiber des Zehlendorfer „Rumpelbasars“ nicht viel erschüttern: Als das Sozialkaufhaus 1970 von engagierten Mitgliedern der evangelischen Kirchengemeinde Zehlendorf-Schönow ins Leben gerufen wurde, hieß der deutsche Bundeskanzler noch Willy Brandt, die Beatles veröffentlichten ihre letzte Platte und im Fernsehen wurde erstmals ein „Tatort“ ausgestrahlt. Deutschland veränderte sich, der Rumpelbasar blieb. Und wurde zu einer festen Institution im Bezirk.

Kurze Frist

Doch seit einigen Monaten herrscht Unruhe in der Einrichtung, die gespendete Artikel verkauft und das Geld in diverse Hilfsprojekte steckt. Bereits im vergangenen Jahr drohte der Mietvertrag für die Räume des Rumpelbasars am Stichkanal 2–4 auszulaufen; damals konnte noch ein Aufschub erreicht werden. Nun scheint es aber endgültig ernst zu werden. „Unser Vermieter will das Gebäude veräußern, wir haben nur noch eine Frist bis zum 30. Juni. Eine nochmalige Verlängerung ist nicht zu erwarten“, klagt Sylvia Wiesner, zweite Vorsitzende des Vereins „Rumpelbasar e.V.“, der das Sozialkaufhaus betreibt.

Der Rumpelbasar ist in seiner 45jährigen Geschichte schon häufiger umgezogen, und als im vergangenen Jahr das Aus am Stichkanal drohte, war der Verein noch zuversichtlich, geeigneten Ersatz zu finden. „In der Goerzallee sind große Flächen leer, das Unternehmen Krone und auch die Firma Rexam haben das Gelände verlassen“, sagte Wiesner damals. Inzwischen sieht die Realität leider anders aus. Die Betreiber wollen nur an produzierendes Gewerbe vermieten und in einer beliebigen Wohngegend könne man keine Räume beziehen, zumal Kunden und Spender zweimal wöchentlich in den Laden kommen (immer Dienstags von 9.30 bis 11.30 Uhr und Mittwochs von 17 bis 19 Uhr). Nun hoffen die engagierten Helfer im Rumpelbasar, dass es noch einen Weg gibt, eine etwa 800 Quadratmeter große Immobilie mieten zu können.

Schließung droht

„Als Konsequenz droht sonst die Schließung“, sagt Wiesner und kündigt kämpferisch an, ein solches Ende auf jeden Fall verhindern zu wollen. Denn wie kaum ein anderes Konzept steht der Rumpelbasar für allgemeinen Nutzen: Spender werden überflüssigen Hausrat los. Kunden quer durch die Gesellschaft – vom Rentner bis zur jungen Familie, vom Professor bis zum Hartz-IV-Empfänger – finden hier nicht nur günstige Kleidung, Spielzeug oder Bücher, sondern manchmal auch antiquarische Schätzchen. Und wohltätige Projekte wie „Kinder in Not“ können sich über finanzielle Unterstützung, Kindergärten, Flüchtlingsheime oder die Bahnhofsmission über Sachspenden freuen. Philip Aubreville

Weitere Informationen finden Sie unter:
www.rumpelbasar-zehlendorf.de

Philip Aubreville / Bild: Cornelia Wörster