Monument und Verbrechen

Kultur: Kunsthaus Dahlem zeigt Fotoserie „Die Pracht der Macht“.

Wo einst der Bildhauer Arno Breker seine Vorstellungen des nationalsozialistischen Menschen in Stein meißelte, beschäftigt sich nun eine Ausstellung mit der künstlerischen Inszenierung von Ideologien. Unter dem Titel „Die Pracht der Macht“ zeigt das in Brekers ehemaligem Staatsatelier am Käuzchensteig 8 ansässige Kunsthaus Dahlem Fotografien des Künstlers Ulrich Wüst. Noch bis 2. Mai sind die Bilder zu sehen, die neben Bauwerken aus nationalsozialistischer Zeit oder der DDR auch Architektur aus der Welt der Kirchen oder der Marktwirtschaft zeigen.

30 Arbeiten

„Die Foto-Serie setzt sich auf sehr feinfühlige und subtile Art und Weise mit der Formensprache und Charakteristik der Skulptur und Architektur bestimmter gesellschaftlicher Systeme auseinander“, meint Dorothea Schöne vom Kunsthaus Dahlem. Insgesamt werden dort knapp 30 Arbeiten gezeigt, die zwischen 1983 und 1991 entstanden sind. Viele der Bilder des gebürtigen Magdeburgers, der 1972 nach Ostberlin zog, seien dabei selbst schon wieder historische Zeugnisse aus Zeiten der DDR, sagt Schöne und deutet die Aufnahmen als „Abgesang auf einige Systeme“. Zugleich wolle die Ausstellung aber nicht werten. „Es geht vielmehr um eine Analyse von Form, Anordnung und Symmetrie. Viele Motive überraschen durch Parallelität der formalen Sprache, obwohl unterschiedlichste Systeme darin dargestellt werden, etwa eine Hochhausfassade aus Paris und die Fassade des Reichsparteitagsgeländes.

Ein Vergleich der gesellschaftlichen Systeme verbiete sich jedoch aus den unterschiedlichsten Gründen. Für Dorothea Schöne ist die Anordnung der abgebildeten Skulpturen, Gebäude und Bilder – vom Völkerschlachtdenkmal bis zur Statue des Fürsten August des Starken – dennoch spannend. Die Frage nach der Inszenierung von Macht und Ideologie sei hochaktuell.

Philip Aubreville / Bild: Ulrich Wüst