Offene Fragen zum Tempelhofer Feld

Freizeit: Pioniere wollen Areal mit Flüchtlingen attraktiv halten.

Das Leid der Flüchtlinge, die in den Hangars untergebracht sind, hat die Stimmung auf dem Tempelhofer Feld verändert. Die sogenannten Pioniere, wie die Künstler Christoph Ernst und Jackie Cronimund, die seit Jahren von Frühling bis Herbst Minigolf als Kunstpark „nuture Mini Art Golf“ hier betreiben, vermissen Informationen darüber, wie eine gemeinsame Zukunft mit den Geflüchteten auf dem Feld aussehen soll.

Größter Park

Die Tempelhof Projekt GmbH hatte 2009/10 zur Nutzung des Tempelhofer Feldes durch verschiedene Initiativen aufgerufen. In der ersten Phase des Verfahrens hatten sich 138 Projekte beworben, von denen 19 im September 2010 als Pioniere ausgewählt wurden. Im September 2015 bestanden noch 17 Pionierprojekte, unter anderem der Allmende-Kontor (Pionierfeld Oderstraße, Gemeinschaftsgarten), nuture Mini Art Golf (Pionierfeld Columbiadamm, 18 Künstler gestalten interaktive Kunstwerke als Minigolfbahnen) und der Stadtteilgarten Schillerkiez (Pionierfeld Oderstraße). Daneben wird Berlins größter Park von Radfahrern, Spaziergängern, Skatern, Segwayfahrern, Grillgästen, Tennis-, Basketball- und Fußballspielern und vielen Touristen aus dem Ausland genutzt. Bisher jedenfalls. Besucher sind zurzeit fast keine da, und wo sind die vielen Flüchtlinge? Wer einen Blick durch den hohen Zaun auf die Hangars wirft, sieht fast nichts. Hinter dem Sichtschutz ist ab und an lediglich ein Wachmann zu beobachten. „Die Pioniere haben das Gespräch mit den Verantwortlichen gesucht, aber wie die Flüchtlinge hier integriert werden sollen, ist immer noch unklar“, sagt Christoph Ernst. In den anderen Jahren gab es bereits um diese Jahreszeit Reservierungen zum Minigolfen, jetzt kommen ganz andere Anfragen. „,Kann man denn bei euch überhaupt noch spielen?‘ – zum Beispiel. Die Besucher sind verunsichert, ob die Angebote auf dem Tempelhofer Feld auch in diesem Jahr bestehen. Sie haben die Vorstellung, dass hier Tausende von Flüchtlingen leben und das Tempelhofer Feld für die Berliner und Gäste nicht mehr nutzbar ist“, erläutert der Künstler. „Alle Projekte auf dem Platz wurden verlängert“, erklärt Martin Pallgen, Pressesprecher der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. „Wir haben überhaupt kein Interesse, den Pionieren etwas wegzunehmen.“ Mehrere Abteilungen entwickeln Integrationsprojekte für die Flüchtlinge auf dem Feld – denkbar sei zum Beispiel gemeinsames Gärtnern auf der Neuköllner Seite des Feldes an der Oderstraße.

Anke Walter / Bilder: Uli Schärer/Melanie Schmidt