Neue Pläne für ein altes Haus

Rund um das Tacheles entsteht ein neues Viertel.

Jetzt geht’s also los am Tacheles! Anfang der zurückliegenden Woche haben auf dem Gelände des legendären Berliner Kunsttempels die vorbereitenden Arbeiten für den Bau eines neuen Stadtquartiers begonnen. Zunächst sollen die Gebäudereste der einstigen Friedrichstraßenpassage entfernt und dann das Gelände für den Aushub der Baugrube Ende dieses Jahres vorbereitet werden. Auf dem 25.000 Quadratmeter großen Grundstück plant eine Tochter des Investors Perella Weinberg ein neues Stadtviertel. Zwischen Friedrichstraße und Oranienburger Straße sollen Geschäfte, Restaurants und Büros angesiedelt werden. Dafür entstehen gut 83.000 Quadratmeter Bruttogeschossflächen neu. Vorgesehen sind auch 450 Wohnungen, die sich um drei Höfe gruppieren, und ein Hotel.

Zeitgemäße Bebauung

Die denkmalgeschützte Kaufhausruine, die nach der Wende von Künstlern besetzt worden war, soll saniert und später wieder kulturell genutzt werden. Die Gesamtplanung liegt in den Händen des Schweizer Architekturbüros Herzog & de Meuron, das unter anderem die Hamburger Elbphilharmonie und die Allianz-Arena in München entworfen hat. „Unsere Aufgabe war, im Rahmen des vor zwölf Jahren aufgestellten und noch immer geltenden Bebauungsplans eine zeitgemäße Bebauung des Areals mit seinen drei denkmalgeschützten Altbauten zu entwickeln“, erklärte der beauftragte Architekt Ascan Mergenthaler das Planungsziel. Die Leitidee für die künftige Entwicklung habe die Kaufhausruine geliefert. „Als Vorbild haben wir die historische Bebauung der 1909 eröffneten Friedrichstraßenpassagen aufgegriffen“, erläuterte Mergenthaler Mitte März bei einem Vororttermin mit Mitgliedern des Stadtentwicklungsausschusses der Bezirksverordnetenversammlung von Mitte. Diese Verbindung von Friedrichstraße, Oranienburger Straße und Johannisstraße wolle man wiederherstellen.

Anbindung gefordert

Das neue Viertel soll einen zentralen Platz haben und jedermann zugängliche Grünflächen – zwischen den angrenzenden Straßen soll es Flaniermeilen geben – betonte Carsten Spallek, der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, bei der Vorstellung der Pläne vor knapp zwei Wochen. Eine große Rolle bei der Gestaltung spielt für ihn die Durchquerung sowohl von der Friedrich- hin zur Oranienburger Straße und zur Johannisstraße. Auf diese Weise soll eine Anbindung ans Quartier entstehen. Das Tacheles war nach der Wende von Künstlern besetzt und als Atelierhaus genutzt worden und wurde bald zur Touristenattraktion. Wegen der Verkaufs- und Neubaupläne der Jagdfeld-Gruppe war das Haus 2012 geräumt worden und stand seitdem leer. Im September veräußerte Jagdfeld das riesige Grundstück, das eines der letzten unbebauten Filetstücke in Berlin-Mitte ist, an Perella Weinberg.

Manfred Wolf / Bild: Imago/Schöning