Mit der U7 bis nach Schönefeld

Nahverkehr: Neuköllner SPD fordert Verlängerung der U-Bahn-Linie / Senatsverwaltung reagiert zurückhaltend.

Wahlkampfzeiten sind beliebte Zeitpunkte, um populäre Ideen wieder aufzugreifen, deren Umsetzung in den Sternen steht. Die SPD Neukölln fordert den Weiterbau der U-Bahn-Linie 7 von Rudow bis zum künftigen Großflughafen BER in Schönefeld. Auf ihren Kreisparteitag haben die Genossen beschlossen, dass die Forderung in das Wahlprogramm der Berliner SPD aufgenommen werden soll.

Attraktiver Kiez

„Wenn das Land Berlin das Verkehrskonzept für den Flughafen überarbeiten muss, dann sollte spätestens jetzt die Verlängerung der U7 zum Flughafen mitgedacht und umgesetzt werden“, so der Vorsitzende der SPD in Rudow, Martin Hikel. Die Verlängerung der U-Bahnlinie sei dem Busverkehr auf der Straße vorzuziehen, um dem zu erwartenden Fluggastaufkommen gerecht zu werden. Kurzfristig könne in einem ersten Schritt eine Verlängerung der U-Bahn zum Frauenviertel mit einem Bahnhof am Lieselotte-Berger-Platz ein Wohngebiet mit rund 1700 Haushalten erschließen und einen Attraktivitätsschub für den Kiez und Umgebung bewirken. Am 30. April entscheidet ein Landesparteitag über das endgültige Wahlprogramm. Die für die Planung des öffentlichen Nahverkehrs zuständige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt bremst allerdings die Erwartungen an den Vorstoß. Zwar werde durch den Flächennutzungsplan seit 1994 eine Trasse bis zur Landesgrenze für die U-Bahn frei gehalten, doch habe man sich im Zuge der Planungen zu Anbindungen des BER für einen S-, Regional- und Fernbahnhof direkt unter dem Fluggastterminal entschieden. Eine U-Bahn-Verlängerung sei weder notwendig noch begründbar, so Sprecherin Petra Rohland. Experten schätzen die Kosten für die rund zehn Kilometer lange Verbindung von Rudow nach Schönefeld auf rund 700 Millionen Euro. Völlig unklar ist die Einbindung der U-Bahn in den bereits fertigen Flughafen-Bahnhof. Auch für den Verkehrsexperten der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Harald Moritz, hat das Projekt keine Priorität. „Man sollte erstmal den Flughafen fertigstellenund sich auf den Ausbau der Dresdner Bahn und der bestehenden Schienenanbindung konzentrieren“, sagt er. Zudem sollte lieber eine Straßenbahnanbindung von Johannisthal zum Zwickauer Damm geschaffen werden. Beim Bau der Stubenrauchbrücke sei die Tram-Verlängerung bereits eingeplant worden.

Nils Michaelis / Bild: imago/Schöning