Es ist normal, verschieden zu sein

Soziales: Grundschule am Rüdesheimer Platz wird zur ersten „Inklusiven Schwerpunktschule“ im Bezirk.

Beim Sport wird Anton (Name geändert) mit dem Ball nie so stark angespielt wie die anderen. Er könnte stürzen, denn sein Körper ist nicht so sportlich wie der seiner Mitschüler. Aber seine Fehler werden genauso gezählt. Die Lehrer der Grundschule am Rüdesheimer Platz sind sich einig, dass den meisten Kindern nicht klar sei, dass diese Schule ein besonderes Konzept hat. „Die Kinder sind damit groß geworden, von der ersten Klasse. Sie sind es gewohnt, dass beim Sport ein Kind im Rollstuhl sitzt.“ Getreu dem Schulmotto: „Es ist normal, verschieden zu sein“.

Zusätzliche Mittel

Ab nächstem Schuljahr wird diese Schule eine der ersten sechs von langfristig geplanten 36 „Inklusiven Schwerpunktschulen“ in Berlin sein. Dafür werden, nach Angaben von Senatssprecherin Beate Stoffers, je nach Förderschwerpunkt „zusätzliche Mittel für die personelle, räumliche und sächliche Ausstattung“ zur Verfügung gestellt. Außerdem werden Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen angeboten. Ziel ist es, allen Kindern und Jugendlichen den „Besuch einer allgemeinen Schule“ zu ermöglichen, damit mittelfristig alle Schüler „mit und ohne Behinderung gemeinsam lernen können“. Der Weg führt von der Integration zur Inklusion; hin zur Verantwortung der Schule, die nötigen Voraussetzungen zu leisten, dass alle Schüler „unabhängig von der Schwere und Ausprägung ihrer Behinderung“ am allgemeinen Unterricht teilnehmen können. Damit, wie es im Bildungsbericht der Kultusministerkonferenz von 2014 steht, uneingeschränkt „soziale Teilhabe für alle Kinder und Jugendlichen“ möglich ist.

Schon 2009 trat die Verpflichtung der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland in Kraft. Bundesweit aber ist „nur ein Drittel der zu fördernden Schüler im Regelschulbetrieb“. Im übrigen Europa sind es zwischen 70 und 90 Prozent. Durch die neue Regelung gewinnen alle 600 Schüler der Grundschule am Rüdesheimer Platz. Etwa 15 Prozent von ihnen sind eingeschränkt in ihrer Motorik, in der geistigen oder emotional-sozialen Entwicklung. Und schon heute selbstverständlicher Teil der insgesamt 24 Klassengemeinschaften.

Beim jüngsten Völkerballtunier haben sich die Mitschüler von Anton beschwert, dass die andere Mannschaft „unfair sei“. Die anderen hätten „richtig dolle geworfen, obwohl die doch eigentlich wussten, dass er umfallen kann.“

Christina Praus / Bild: SenBJW