Das lässt sich leider nicht vermeiden

Bauen: Bahnkunden wird bis Herbst vor allem rund um die City West viel Geduld abverlangt.

Die Deutsche Bahn hat sich viel vorgenommen. Bis 2019 werden etwa 28 Milliarden Euro in „das größte Infrastruktur-Modernisierungsprogramm in der Bahngeschichte“ investiert. In Spitzenzeiten baut die Bahn an 850 Stellen gleichzeitig in allen 16 Bundesländern, auch in Berlin, auch in Charlottenburg-Wilmersdorf. Hier erneuert die Bahn schon seit dem 18. März auf dem Ringabschnitt zwischen Halensee und Westend Gleise, Stromschienen und Weichen. Durchgehend bis zum 18. April um 1.30 Uhr fahren Busse als Schienenersatz (SEV). Laut Bahnsprecher Alexander Kaczmarek ist sich die Bahn bewusst, „dass die Bauarbeiten den Verkehrsunternehmen und ihren Kunden wieder einiges abverlangen werden.“ Durch den Umfang lässt sich das „leider nicht vermeiden“.

Abschnitte gesperrt

Und das ist nur der Anfang. Weiter geht es im Bezirk in einigen Wochen auf der westlichen Stadtbahn. Ab Ende Mai bis Ende Oktober wird die Passage von Friedrichstraße bis Grunewald bzw. Olympiastadtion modernisiert. Die Abschnitte werden einzeln gesperrt, entweder wochentags abends von 21 bis 4 Uhr oder am Wochenende von freitagabends bis Montag Früh. Zwischen Friedrichstraße und Charlottenburg fahren die S-Bahnen von Ende Mai bis September abends nicht. Und im Oktober nicht an den ersten beiden Wochenenden. Die Strecke zwischen Zoo bis Grunewald und Zoo bis Olympiastadion wird an den Wochenenden Ende Mai, Anfang Juni und Mitte September gesperrt. Das Finale folgt in der letzten Oktoberwoche, vom 24. bis 31. Oktober – die Sperrung von der Friedrichstraße bis zum Zoo ab Montag und zusätzlich weiterführend bis Grunewald bzw. Olympiastadion ab Donnerstag, beides bis zum Ende des Wochenendes Montag früh. Als SEV werden Busse eingesetzt. Verlässliche Informationen werden seitens der Bahn aber erst Mitte April bekannt gegeben. Das bestätigte eine Nachfrage in einem der Reisecenter, weil „es ja noch eine Weile hin“ sei. Auch die Nachfrage beim Servicetelefon der S-Bahn war erfolglos.

Wie sehen andere Fahrgäste das? Für Sahra aus Lichtenberg wäre es schlimm, wenn die Strecke komplett gesperrt würde. So ist es für sie gut erträglich. Nur wusste sie noch nichts davon. Auch Alexandra aus Reinickendorf wünscht sich, besser informiert zu werden. Sie muss täglich über Bahnhof Zoo in den Grunewald. Rikki aus Friedrichshain wird sich auf seinem Weg zur Uni in Potsdam umstellen müssen und auf die Regionalbahn oder den SEV ausweichen. Für ihn ist die Bahn mit „ihren ständigen Preiserhöhungen“ nicht pünktlich genug und informiert nicht ausreichend. Er resigniert, „man muss sich fügen“. Auf Gerd aus Charlottenburg trifft das nicht zu. Schon vor Wochen habe er die aufgestellten Schilder gelesen. „Die S-Bahn macht das gut.“ Auch Martin aus Wedding „kann gut damit leben“. Anders ging es Familie Höfling aus Frankfurt/Main. Vor drei Wochen hatte sie online gebucht. Inklusive aller Informationen über die Strecke zwischen City-West und Adlershof. Vom SEV erfuhr sie erst über die Ansagen in der S-Bahn. Herr Höfling „hat was im Zug gehört, aber nicht richtig geblickt“. Nachfragen bei anderen Fahrgästen halfen weiter. Die Familie hat Glück, denn sie spricht deutsch – sie konnte die Durchsagen auf dem Bahnsteig und in der Bahn verstehen. Für Touristen gab es englische Informationen nur auf Stellwänden und auf den Flyern in den Reisecentern. Die Deutsche Bahn hat sich viel vorgenommen.

Weitere Informationen unter:
www.s-bahn-berlin.de
www.vbb.de
www.bahn.de
www.bauarbeiten.bahn.de
(030) 29 74 33 33
„Punkt 3“, die 14-tägig erscheinende Kundenzeitschrift der Bahn

Text und  Bild: Christina Praus