Experten gegen Kirchenumbau

Erzbistum: Jetzt entscheidet der Erzbischoff für oder gegen den Denkmalschutz.

Berlins Erzbischof, Heiner Koch, hat sich entschieden. Wie, das freilich weiß noch niemand. Doch mehr als 70 namhafte Experten aus den Bereichen Denkmalpflege, Architektur, Kulturelles Erbe und Erinnerungspolitik ahnen Schlimmes. Ihnen geht es um den Erhalt des weitgehend intakten, vor allem aber denkmalgeschützten Innenraums der St. Hedwigs-Kathedrale (das Berliner Abendblatt berichtete). Die Unterzeichner des offenen Briefes bitten den Bischof, das Schreiben als „ernsthaften Versuch aufzufassen, durch gewichtige Argumente für den Erhalt von St. Hedwig Schaden nicht nur vom Baudenkmal, sondern auch von der Institution der Katholischen Kirche abzuwenden. Die Unterstützer plädieren für eine „minimalinvasive denkmalgerechte Sanierung und Modernisierung des Baudenkmals“. Die besondere Raumfassung des Architekten Hans Schwippert stelle ein herausragendes Denkmal der deutschen Nachkriegsgeschichte dar. Der nach den Plänen Schwipperts bis 1957 erfolgte Umbau des friederizianischen Kirchenbaus verband den Zentralraum durch eine den Seligen Patres Lichtenberg und Werhun gewidmete Öffnung in der Unterkirche und verbindet Unterkirchen- und Hauptkirchenaltar.

Sehr komplex

Architekturwettbewerb Umgestaltung St. Hedwigs Kathedrale; hier dasModell des ersten Preises vom Architekturbüro Sichau & Walter Architekten GmbH in Fulda.

Siegerentwurf für Totalumbau.

Dieses „Loch“ soll nun, wenn es nach dem Siegerentwurf eines entsprechenden Wettbewerbs geht, verschwinden. Begründet wurde dies mit einem Mix aus architektonisch-religiösen Thesen und ist Ende Februar sogar vom Diozesanrat des Erzbistums abgesegnet worden. Doch die Experten äußern starke Zweifel gegenüber dieser Mischung. Das beginnt bei der Liturgie, die angeblich nicht mehr zeitgemäß sei, und geht bis hin zur Behauptung der Umbauarchitekten, dass die Hedwigs-Kathedrale wie das Pantheon in Rom im Querschnitt einen Kreis zeige, dessen Fußpunkt der künftige Alter sei. Völlig unkorrekt, wie nicht nur die „Freunde der Hedwig-Kathedrale“ meinen, denn der Kreis reiche bis in die umstrittene Märtyrerkirche im Sockelgeschoss. Und was die Liturgie betrifft, so ermögliche Schwipperts Fassung durchaus die spätestens seit dem Abschluss des II. Vatikanischen Konzils verlangte Feier der Messe „versus populum“, also mit dem Gesicht zur Gemeinde. Wem all das zu komplex ist: Hier geht’s auch um Geld! Zwischen 17 bis lediglich vier Millionen Euro soll eine behutsame Sanierung der Kathedrale maximal kosten. Den Siegerentwurf und damit „Teilabriss, Denkmalzerstörung und Teilneubau“ der Kathedrale umzusetzen, hieße, mit mindestens 42 Millionen Euro rechnen zu müssen. Geld, dass das Erzbistum gar nicht hat und das deswegen auf Gelder der öffentlichen Hand angewiesen wäre. Hinzu käme, dass durch den Neubau einer Sakristei noch unterhalb der Unterkirche massive Eingriffe ins Fundament vorgenommen werden müssten. Welche fatalen Folgen das haben kann, dafür ist die benachbarte Staatsoper das schlimmste Beispiel.

M. Wolf / Bild: imago/Schöning / Bild:W.Wetzler