Kunden bleiben draußen

Friedrichshagen: Händler blicken mit Sorge auf die Sperrung der Bölschestraße.

Bei großen Bauvorhaben gibt es immer jemanden, der darunter leidet. Doch für die Händler und Dienstleister rund um die Bölschestraße kommt es derzeit besonders dicke. Der Grund: Die Unterführung am S-Bahnhof Friedrichshagen ist an einer Baustelle bis Ende November in beiden Richtungen gesperrt. Nur Fußgänger und Radfahrer kommen durch. Der motorisierte Verkehr wird über den Fürstenwalder Damm, Schöneiche und die Schöneicher Straße umgeleitet. Für die Einkaufsmeile an der Bölschestraße bedeutet das Schätzungen zufolge 60 Prozent weniger Kunden.

Weite Umwege

Besonders übel hat es Sabine Kolb erwischt. Nördlich des Gleisbetts, zwischen den Stationen Hirschgarten und Friedrichshagen, betreibt sie eine Gärtnerei. Gerade hat für sie die Verkaufssaison begonnen. Parallel dazu starteten die Bauarbeiten der Deutschen Bahn, der BVG und der Berliner Wasserbetriebe. Weil auch noch die Brücke über die Erpe geschlossen wurde, fällt für sie und ihre Kunden, die auf das Auto angewiesen sind, auch die Zufahrt über die Verlängerung der Straße Am Kurpark weg. „Meine Kunden müssen nun über Köpenick oder Schöneiche anreisen, das sind viele Kilometer Umweg“, sagt Kolb und fügt hinzu: „Am besten setzen sie sich aufs Rad.“ Ihrer Ansicht nach sind die Umleitungsstrecken unzureichend ausgeschildert, das gilt auch für die gesperrte Unterführung im Bereich Bölschestraße/Dahlewitzer Landstraße. Mit der Meinung steht sie nicht allein.

Die Werbegemeinschaft Friedrichshagen gibt sich derweil besonnen. Um die Bölschestraße nicht vom Kundenstrom jenseits der Gleise abzuschneiden, brachte die Interessenvertretung der örtlichen Unternehmer kürzlich die Idee ins Spiel, Autofahrer am S-Bahnhof auf Fahrräder umsteigen zu lassen. Wo die ihre Fahrzeuge parken und wer die Räder stellen soll, blieb allerdings offen. So bleibt den Gewerbetreibenden vorerst nichts anderes, als abzuwarten. Auch die Betreiber des Trödelmarktes an der Schöneicher Straße versuchen, gelassen zu bleiben. „Wir haben weniger Anmeldungen, vielen Händlern ist der Umweg zu weit, hoffentlich gewöhnen sich die Leute daran“, sagt Regina Pröhm. Die Planung der Baustellen sei ein „Bürokrarenwahnsinn“. Doch aufgeben will sie nicht: „Wir werden es irgendwie schaffen, aber lustig wird es nicht.“ Friedrichshagen sei standhaft, betont sie. In diesem Sinne hofft Pröhm nun auf ein erfolgreiches Bölschefest am 7. und 8. Mai.

Nils Michaelis / Bild: oldthing.de