Der Apfel wird Kunst

Kultur: Eine Ausstellung über das Lieblingsobst der Deutschen.

Ob als verbotene Frucht im Garten Eden, in Schneewittchens Hand oder als Zielscheibe für Wilhelm Tells Armbrust: Der Apfel spielte schon immer eine große Rolle in der Kulturgeschichte. Nun dreht sich auch in der Domäne Dahlem alles um das Lieblingsobst der Deutschen. Die neue Ausstellung „Der Apfel. Kultur mit Stiel“ im Freilandmuseum in der Königin-Luise-Straße 49 hat begonnen. Eintritt: vier Euro (ermäßigt zwei Euro), Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben freien Eintritt.

1500 Sorten

Im Museum gab es für diese Präsentation intensive Vorbereitungen. „Sechs Wochen Aufbauzeit sind bei einer Ausstellung, bei der nicht einfach nur ein paar Bilder an die Wand gehängt und Infotafeln aufgestellt werden, nicht viel“, sagt Pressesprecherin Jacqueline Jancke. Vier Lastwagen mit fast 40 Europaletten und ebenso vielen Kisten trafen kürzlich in der Domäne Dahlem ein, wo nun das Obergeschoss des Museums im Herrenhaus eingerichtet wurde. Auf einer Fläche von 300 Quadratmetern haben Mitarbeiter mit großem Fingerspitzengefühl Vitrinen mit „Mollagen“ dekoriert. Dies sind empfindliche Apfelmodelle aus Wachs. „Der Apfel ist kein bloßes Naturprodukt, vielmehr bildet schon seine Züchtung eine hohe Kulturleistung“, so Jancke. 1.500 Sorten gibt es allein in Deutschland, von denen durchschnittlich jeder 26 Kilo im Jahr verzehrt. Die Ausstellung präsentiert aber nicht nur schlichtes Zahlenwerk, sondern beschäftigt sich mit zahlreichen Aspekten rund um den Apfel. Im Dahlemer „Freilandmuseum für Agrar- und Ernährungskultur mit ökologischem Schwerpunkt“ erfährt der Besucher auch, wie sich die Apfelernte von der Handpflückung bis zum Großeinsatz von Maschinen entwickelt hat. Auch der Wandel bei der Verarbeitung des Obstes ist ebenso ein Thema, wie die Lebensverhältnisse von Saisonarbeitern, die jedes Jahr zur Ernte in die Anbaugebiete kommen.

Expressionistisches Obst

Neben diesen landwirtschaftlichen Gesichtspunkten und Statistiken darf aber auch die Rolle des Apfels in der Kulturgeschichte nicht fehlen. Ein eigener Raum ist zum Beispiel nur der Darstellung des Apfels in der zeitgenössischen Kunst gewidmet. Hier sind auch Werke der berühmten Expressionisten, Karl Hofer und Rainer Fetting, zu bewundern. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Begleitband mit zahlreichen Abbildungen erschienen, der an der Museumskasse zum Kauf angeboten wird (Preis: 29,80 Euro).

Philip Aubreville / Bild: Domäne Dahlem