Ein Platz für Kirsten Heisig

Strassenbild: Erinnerung an umstrittene Jugendrichterin.

Wenn die Probleme Neuköllns in den letzten Jahren bundesweit bekannt wurden, dann liegt das auch an Kirsten Heisig. Jetzt wurde ein Platz nach der früheren Jugendrichterin benannt. Wo die Emser Straße auf die Kirchhofstraße trifft, erinnert nun ein Schild an die streitbare Juristin und Buchautorin („Das Ende der Geduld. Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter“), die sich im Sommer 2010 das Leben genommen hatte. Ab 2008 war Heisig als Jugendrichterin am Amtsgericht Tiergarten für den Bezirk Neukölln zuständig. „Die engagierte Jugendrichterin hatte nicht nur ein Herz für ihre Klientel, sondern wusste auch, Grenzen zu setzen“, so das Bezirksamt. „Sie setzte sich dafür ein, das Jugendstrafrecht konsequenter und schneller anzuwenden.“ Weit über Neukölln und Berlin hinaus wurde Heisig als Mitinitiatorin des „Neuköllner Modells“ zur schnelleren und besseren Verfolgung von jugendlichen Straftätern bekannt.

„Zurecht wird nun an ihre unglaubliche Tatkraft im Kampf gegen die Jugendkriminalität erinnert“, erklärte Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU). Gegner argumentieren, Heisig habe mit ihrem Modell etwas erreicht, doch die Art, wie sie an die Öffentlichkeit gegangen sei, habe Teile der Bevölkerung stigmatisiert, insbesondere Heranwachsende mit türkischen oder arabischen Wurzeln. Auch unter Bezirkspolitikern ist Heisig umstritten. Das Bezirksparlament hatte die Umbenennung im November mit den Stimmen der Fraktionen von SPD und CDU beschlossen. Die Piraten lehnten ab, Grüne und Linke enthielten sich. Die Linke kritisierte die Entscheidung. „Heisigs Name steht in den Medien für eine Law-and-Order-Politik, die wir grundsätzlich ablehnen“, so Moritz Wittler, der Sprecher des Neuköllner Bezirksverbands.„Höchst problematisch wurden ihre Aussagen da, wo sie ethnische Merkmale als ursächlich für die Gewaltkarrieren benannte.“

nm/red / Bild: A. Simon