Retter schlagen Alarm

Sicherheit: Berliner Feuerwehr trifft häufig zu spät ein.

Wenn die Rettungswagen der Berliner Feuerwehr gerufen werden, zählt jede Minute. Oft geht es um Leben und Tod. Maximal acht Minuten sollen zwischen Alarm und Eintreffen am Einsatzort vergehen. Doch die Realität sieht anders aus. Die Retter treffen nicht einmal in der Hälfte der Fälle binnen dieser Frist ein, der Durchschnitt liegt bei etwa neun Minuten.

Gewerkschaft kritisiert

„Dieser Zustand ist nicht akzeptabel und die Folge drastischer Personalkürzungen und Einsparungen in der Infrastruktur“, sagt Oliver Mertens, Hauptbrandmeister der Feuerwache Pankow und Landesvorstand der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Durch die stetig wachsende Stadt summiert sich das Einsatzvolumen für die Rettungskräfte automatisch auf einen neuen Rekordwert. Hinzu kommen das steigende Durchschnittsalter der Bevölkerung sowie die vielen Einsätze durch die globale Flüchtlingskrise. Allein 2015 stieg die Zahl der Alarmierungen für Rettungseinsätze um mehr als 30.000. Mertens: „Um alle aktuellen Lagen in der richtigen Qualität bewältigen zu können, bräuchten wir derzeit etwa 500 neue Kolleginnen und Kollegen. Durch den Bevölkerungszuwachs und die Pensionierungswelle kommen in den nächsten Jahren weitere 700 dazu. Doch Feuerwehrleute und Rettungsdienstpersonal fallen nicht aus den Wolken. Um der seit Jahren anhaltenden Tendenz gerecht zu werden, ist eine massive Einstellungsoffensive sowie die damit verbundene Leistungssteigerung der Berliner Feuerwehr und der Rettungsdienst Akademie notwendig.“

Wie eine landesweite Reportage des ARD-Magazins „Plusminus“ zum Thema aufdeckte, zeigt Berlin besonders schlechte Ergebnisse. Ein befragter Kollege sprach von einem Einsatz, bei dem er erst nach 21 Minuten bei einem akut Hilfsbedürftigen eintraf. „Das ist in der Tat möglich. Dadurch, dass wir mittlerweile die Krankenhäuser als RTW-Standorte nutzen können, hat sich die Lage etwas gebessert. Zufriedenstellend ist das aber noch lange nicht. Wir bräuchten momentan etwa acht Rettungswagen mehr, um das Niveau des Vorjahres zu erreichen. Dann wären wir aber immer noch weit von der Zielvorgabe entfernt“, so Mertens. Derzeit sind rund um die Uhr 119 RTWs im Einsatz, in der Nacht 99. Neben den akut benötigten zusätzlichen Rettungswagen, müsse aber auch bei der Brandbekämpfung nachgerüstet werden. „Eine weitere Verlagerung von Einsatzkräften der Brandbekämpfung zu Gunsten des Rettungsdienstes wäre grob fahrlässig“, sagt Mertens.

Hilfe per App

Staatssekretär Bernd Krömer sprach gegenüber „Plusminus“ bei der Zielvorgabe von einer verwaltungsinternen Vorgabe, sprich er sieht keinen Anspruch auf Einhaltung der Zielvorgabe. „Diese schwammige Aussage des Herrn Krömer zeigt, wie wichtig ihm die Gesundheit der Bürger ist. Wir brauchen ohne Frage mehr Personal und, um die berechneten Zielvorgaben einzuhalten“, so GdP-Landesvorsitzende Kerstin Philipp. Berlins Feuerwehrchef Wilfried Gräfling? regte jetzt an, registrierte qualifizierte Ersthelfer künftig per App zu medizinischen Notfällen zu schicken. Mit der App könnten zusätzliche Retter, beispielsweise Ärzte oder medizinisch ausgebildetes Personal, innerhalb von vier Minuten die Erstversorgung übernehmen – bis zum Eintreffen der Feuerwehr, so Gräfling im RBB.

red/mh