Bürgermeisterin lässt Neuköllner zum Besen greifen

Abfälle: Bezirk startet Kampagne für mehr Sauberkeit / Abfallbeseitigung kostet 1,2 Millionen Euro.

Seit Jahren stinken die Müllberge auf Neuköllns Straßen zum Himmel. Das Bezirksamt versucht sich nun an unverbrauchten Ideen. Die Kampagne „Schön wie wir – so wollen wir unser Neukölln“ soll die Menschen im Bezirk zu mehr Sauberkeit animieren.

Auf dem Gehweg abgestellte Möbel, verstreute Abfallhaufen und jede Menge Hundedreck: In den Seitenstraßen rund um das Rathaus Neukölln ist es nicht zu übersehen, dass der Bezirk ein Müllproblem hat, zumal im Norden. 800 Tonnen Abfall hat die Berliner Stadtreinigung (BSR) im vergangenen Jahr im Auftrag des Ordnungsamts aus dem Neuköllner Straßenbild beseitigt. Ein Problem, das mancherorts nicht nur zum Himmel stinkt, sondern Neukölln einen Spitzenplatz in der Berliner Müll-Statistik beschert und die Bezirkskasse belastet: 1,2 Millionen Euro sind es seit dem Jahr 2014. Im Bezirksamt ist man sich sicher: Vom Ordnungsamt verhängte Bußgelder allein bewirken wenig. Vielmehr müssten Menschen ihr Verhalten ändern. Nun hat Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) eine Strategie vorgestellt, wie das Problem unter der Beteiligung der Bürger beseitigt werden soll.

Genervte Bürger

Nicht nur die Donaustraße wird  regelmäßig als Müllabladeplatz missbraucht.

Nicht nur die Donaustraße wird regelmäßig als Müllabladeplatz missbraucht.

Unter dem Motto „Schön wie wir – so wollen wir unser Neukölln“ hat das Bezirksamt jetzt eine auf mindestens zwei Jahre angelegte Kampagne aufgelegt. Gemeinsam mit Partnern aus der Wirtschaft, den Wohnungsbauunternehmen, der BSR, der BVG und dem Quartiersmanagement sind die Bürger aufgerufen, für einen sauberen Bezirk und neue Wege, um dieses Ziel zu erreichen, zu werben. Und so funktioniert es: Jeder, der mitmacht, schießt ein Foto mit dem Symbol der Aktion, einem gelben Besen mit pinken Borsten, und lädt es auf der Internetseite der Kampagne hoch. Parallel dazu gehen das Ordnungsamt und die BSR weiterhin gegen das Problem vor. Giffey warb bei der Vorstellung der Kampagne für die Bedeutung eines sauberen Straßenbildes, machte sich zugleich aber wenig Illusionen. „Es soll hier nicht aussehen, als hätte jemand eine Sagrotanflasche verschüttet, aber ich wünsche mir ein lebenswerteres Erscheinungsbild“, sagte sie.

Anwohner und Mieterbeiräte hätten das Bezirksamt immer wieder darauf hingewiesen, dass die Sache dringlich sei. Derzeit würden täglich bis zu 200 Meldungen über illegale Müllablagerungen beim Bezirk eingehen. Bürger klagten bei der Auftaktveranstaltung vor allem über die Situation in der Nogatstraße und in der Ringbahnstraße. So verwunderte es nicht, dass die Initiative im Bezirk auf offene Ohren stößt. „Wir möchten in den Quartieren ein nettes Ambiente haben, damit sich die Anwohner wohlfühlen“, sagte Ingo Malter, Geschäftsführer des landeseigenen Wohnungsunternehmens Stadt und Land. „Viele Menschen halten Sekundärtugenden wie Sauberkeit für preußisch, ich sehe darin eine Frage der inneren Haltung: Wer sich um seinen Abfall kümmert, bemüht sich womöglich auch darum, im Leben vorwärts zu kommen. Es geht um die Achtung vor Werten.“

Vergeblich bemüht

Auch jene, die ehrenamtlich gegen verschmutzte Straßen vorgehen, unterstützen die Kampagne. Diese knüpft an das von Giffey im vergangenen Jahr vorgestellte „Neukölln-Programm“ an und fällt in den beginnenden Wahlkampf vor den Bezirks- und Abgeordnetenhaus-Wahlen. Einer dieser Engagierten ist der Bezirksverordnete Bertil Wewer (Die Grünen, siehe Foto auf Seite 1), der sich im Verein Pro Neubritz engagiert. Dieser veranstaltet jedes Jahr einen Frühjahrsputz. „Wir kommen mit unseren Bemühungen kaum hinterher, gerade der Mittelweg ist ständig voller Müll“, berichtet er.

Während seine Fraktion mit der rot-schwarzen Zählgemeinschaft in der Bezirksverordnetenversammlung häufig über Kreuz liegt, stellt Wewer zu Giffeys Anti-Müll-Offensive fest: „Diese gute Sache muss man unterstützen.“

Weitere Informationen finden Sie unter:
www.schoen-wie-wir.de

Nils Michaelis / Bilder: Nils Michaelis