Da baut sich was zusammen

Nahverkehr: S-Bahn investiert 370 Millionen Euro in Berlins Strecken.

Wer dieser Tage irgendwie die Strecke zwischen Köpenick und Rahnsdorf passieren will, muss Geduld haben. Mit der S-Bahn-Linie S3, die nicht fährt, und dem Schienenersatzverkehr, der dies bis kommenden Dienstag zwar tut, aber eben viel langsamer als es die S-Bahn kann. Der Streckenausbau auf diesem viel genutzten Teilstück ist nur eine von vielen Baustellen, mit denen das hauptstädtische Schienennetz in diesem Jahr überzogen wird. Insgesamt 370 Millionen Euro will die Deutsche Bahn 2016 in den Ausbau und die Moderniserung des Berliner S-Bahn-Netzes stecken. Erneuert werden 410 Kilometer Schienen und 150 Weichen auf täglich manchmal 100 Baustellen gleichzeitig. „Berlin wächst. Viele neue Bürger ziehen in die Stadt. Für eine gute Infrastruktur bauen wir die Schienenwege aus“, erklärte der DB-Konzernbevollmächtigte für Berlin, Alexander Kaczmarek, der vergangene Woche die Bauprojekte der Bahn vorstellte.

Komplette Sperrung

Und dabei haben S-Bahn-Nutzer noch Glück gehabt. Wäre es nach der Bahn gegangen, hätte sie zwischen Mai und Oktober die Strecke zwischen Friedrichstraße und Bahnhof Zoo komplett gesperrt, um hier das neue elektronisches Zugsicherungssystem (ZBS) zu installieren. Nach heftigen Protesten wurde an einem neuen Konzept gebastelt, das im April vorgestellt wird. ZBS soll nun vorrangig in den Nächten an während mehrtägiger Sperrungen an den Wochenenden eingebaut werden. Ganz anders werden all jene getroffen, die auf dem westlichen S-Bahnring zwischen den Bahnhöfen Westend und Halensee unterwegs sind. Dort haben die Bauarbeiter seit 18. März ihre Zelte aufgeschlagen und sorgen bis 18. April für eine Komplettsperrung. Aufgefangen werde das Ganze, so die Bahn, durch Schienenersatzverkehr. Weil der aber auch durch die stauanfälligen Straßen wesentlich längere Fahrtzeiten benötige, sollten sich Fahrgäste jetzt schon mal Umfahrungen mit Hilfe von U-Bahn oder regulären Buslinien suchen. Immerhin: Zwischen Halensee und Bundesplatz wird es eine 10-Minuten-Taktung der Linien S41 und S42 geben.

Manchmal barrierefrei

Wie schon bei früheren Sperrungen sollen es auch diesmal wieder Flyer unters Volk gebracht werden, in denen auf alternative Umfahrungsmöglichkeiten verwiesen wird. Außerdem werden die Wege zu den Bushaltestellen mit den bekannten gelben Fußabdruck-Aufklebern markiert. „Die Berliner“, so Bahn-Mann Kaczmarek, „sind pfiffig. Sie finden ihren Weg und nutzen auch andere Verlehrsmittel. Das sollten sich all jene Menschen zu Herzen nehmen, die bis 29. April zwischen Hoppegarten und Fredersdorf unterwegs sind. Auf der Trasse der S-Bahn-Linie werden 5,3 Kilometer Gleise, die Stromschienen und 6.100 Tonnen Schotter ersetzt. Allein dieses Projekt lässt sich die Bahn 4,3 Millionen Euro kosten. Dafür pendeln die Züge auf der S-Bahn-Linie 5 zwischen Strausberg Nord und Fredersdorf sowie zwischen Spandau und Hoppegarten. Zwischen Fredersdorf und Hoppegarten wird ein barrierefreier Schienenersatzverkehr eingerichtet. Gute Nachricht für alle, die zwischen Strausberg und Lichtenberg keinen Grund haben, aus- oder einzusteigen: Für sie gibt es zum einen die Regionalbahn RB26 und werktags sogar zusätzliche (allerdings nicht rollstuhlgerechte) ältere Dieseltriebwagen, so dass die Bahn hier auf einen Halbstunden-Takt kommt.

Weitere Baustelle

Die BVG baut auch! Hier die wichtgsten Einschränkungen. Pendelverkehr vom 24. April bis 13. Mai gibt es auf der U7 zwischen Grenzallee und Rudow. Zwischen Cottbusser Platz und Wuhletal übernehmen Busse den Betrieb der U5 zwischen dem 6. und 15. Juli. Und auf der U9 soll es wahrscheinlich vom 20. Juli bis 5. September Schienenersatzverkehr zwischen Walther-Schreiber-Platz und Rathaus Steglitz geben.

Wo in Berlin gebaut wird

Stellwerk Röntgental

Umleitungen und Ausfälle von Mai bis Dezember. Linie S2

Karow West – Schönfließ

Vom 29. März bis 2. Mai Umleitungen und Ausfälle wg. Brückenbau. Linien S2, S8

Neubau S-Bahn-Linie 21

Schienenersatzverkehr zwischen Gesundbrunnen und Westend vom 26. August bis 5. September. Linien S41, S42

Westliche Stadtbahn

Einbau des Zugsicherungssystems. Nächtliche Sperrungen von Mai bis Oktober. Betroffen sind Linien S5, S7

Westend – Halensee

Gleis- und Weichenerneuerung vom 18. März bis 18. April. Schienenersatzverkehr. Betroffen sind Linien S41, S42, S46

Potsdam Hbf – Griebnitzsee

Gleis- und Weichenerneuerung vom 18. März bis 6. Mai und vom 6. bis 27. Juni. Schienenersatzverkehr. Linie S7

Friedrichstraße –Ostkreuz

Weichenerneuerung. Es kommt immer wieder zu Ausfällen und Umleitungen. Betroffen sind Linien S5, S7, S75

Grünau – Königswusterhausen

Gleis- und Weichenerneuerung vom 1. bis 4., 15. bis 18. und 22. bis 25. April. Schienenersatzverkehr. Linie S46

Köpenick – Rahnsdorf

Streckenausbau. Schienenersatzverkehr bis Erkner vom 18. bis 22. März. Bis Dezember Ausfälle, Umleitungen. Linie S3

Hoppegarten – Fredersdorf

Gleiserneuerung. Schienenersatzverkehr vom 18. März bis 29. April. Linie S5

Rummelsburg

Weichen- und Brückenbau vom 18. Mai bis 11. Dezember. S-Bahnhof ab August für ein Jahr gesperrt. Linie S3

Ostkreuz

Weiterer Umbau und Grunderneuerung bis Sommer 2017. Immer wieder einzelne Sperrungen zwischen Ostkreuz und Landsberger Allee. Linien S8, S9

U. Teichert / Bild: Thinkstock/iStock/LIVINUS